Qualitätsentwicklung durch Berichtswesen
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Hilfen zur Erziehung - Aktuelle Befunde zum Erhebungsjahr 2022

Seit 2019 zeichnet sich eine Konsolidierung der Fallzahlen ab

Im Jahr 2022 wurden in Rheinland-Pfalz 29.148 Hilfen zur Erziehung gem. §§ 27 Abs. 2, 29-35, 41 SGB VIII gewährt. Im Vergleich zum Erhebungsjahr 2021 entspricht dies einem landesweiten Rückgang der Fallzahlen um 460 erzieherischer Hilfen bzw. minus 1,6 %. Der im Vorjahr zu beobachtende leichte Fallzahlanstieg setzt sich demnach nicht weiter fort (ohne umA). In den Vorjahren sind die Fallzahlen, nach einer starken Expansionsphase zwischen den Jahren 2002 und 2011, in einem schwächeren Umfang angestiegen. Im Berichtszeitraum 2014/2015 und 2019/2020 waren leichte Rückgänge der Fallzahl erzieherischer Hilfen in Rheinland-Pfalz zu beobachten. Letzterer stand im Zusammenhang mit den Lockdowns, Schulschließungen und veränderten Arbeitsprozessen in Jugendämtern und Einrichtungen während der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020.

 

3,7 % der jungen Menschen unter 21 Jahren erhalten eine Hilfe zur Erziehung in Rheinland-Pfalz

Werden die Fallzahlen der Hilfen zur Erziehung in Relation zur Bevölkerung unter 21 Jahren gesetzt, so ergibt sich im Jahr 2022 landesweit ein Wert von 36,6 Hilfen gem. §§ 27 Abs. 2, 29-35, 41 SGB VIII je 1.000 junge Menschen im Alter von unter 21 Jahren in Rheinland-Pfalz. Anders gesagt haben rund 3,7 % der rheinland-pfälzischen Kinder und Jugendlichen unter 21 Jahren im Jahr 2022 eine Hilfe zur Erziehung erhalten.

 

Ambulante Hilfen befinden sich – nach einem Anstieg im Vorjahr – etwa auf dem Niveau von 2019

Im Zuge des Ausbaus der ambulanten Angebote der Kinder- und Jugendhilfe (§§ 27 Abs. 2 amb., 29-31, 35 amb., 41 amb. SGB VIII) hat sich deren Fallzahl seit 2002 um 11.096 Hilfen erhöht. Das heißt, die Fallzahlen im ambulanten Segment haben sich in 21 Berichtsjahren mehr als verdreifacht. Im Jahr 2022 wurden in Rheinland-Pfalz 16.257 Hilfen im ambulanten Bereich durchgeführt, während es im Jahr 2002 5.161 Hilfen waren. Hierin spiegelt sich eine Schwerpunktsetzung auf familienunterstützende, präventive Maßnahmen in den rheinland-pfälzischen Jugendamtsbezirken wider. Alle anderen Hilfesegmente zeigen im Vergleich in der langfristigen Betrachtung deutlich kleinere Fallzahlanstiege oder bewegen sich auf nahezu konstantem Niveau. Der Vorjahresvergleich in Rheinland-Pfalz zeigt zwischen den Jahren 2021 und 2022 hingegen einen Rückgang der ambulanten Hilfen um 171 Hilfen bzw. 1,0 %.

 

Fremdunterbringungen: Fallzahlrückgänge im stationären Bereich sowie im Bereich der Vollzeitpflege

Neben den ambulanten Hilfen wurde in den letzten Jahren in Rheinland-Pfalz auch der Bereich der Vollzeitpflege (§ 33 SGB VIII) deutlich ausgebaut. Seit Beginn der Erhebung im Jahr 2002 ist eine deutliche Steigerung der Inanspruchnahmequote in diesem Bereich zu beobachten. Wurden im Jahr 2002 3.266 Hilfen gem. § 33 SGB VIII gewährt, sind es im Jahr 2022 insgesamt 5.118 Hilfen. Damit sind die Fallzahlen der Vollzeitpflege seit 2002 um 56,7 % angestiegen. Im Jahresvergleich 2021/2022 zeigt sich ein leichter Rückgang der Vollzeitpflegen gem. § 33 SGB VIII um 1,8 %. Im Berichtsjahr 2022 sind landesweit 5.835 stationäre Hilfen (§§ 27 Abs. 2 stat., 34, 35 stat., 41 stat. SGB VIII) gewährt worden, womit sich ihre Anzahl seit 2002 um knapp ein Fünftel (plus 17,5 %) erhöht hat. Im Jahresvergleich 2021/2022 ist die Anzahl stationärer Hilfen zurückgegangen (minus 2,5 %).

 

Es zeigt sich ein leicht abgeschwächter Anstieg der Auszahlungen im Bereich der Hilfen zur Erziehung

In Rheinland-Pfalz wurden im aktuellen Erhebungsjahr 2022 rund 544 Millionen Euro für Hilfen zur Erziehung nach §§ 27 Abs. 2, 29-35, 41 SGB VIII aufgewendet (ohne Auszahlungen für Hilfen für unbegleitete minderjährige Ausländerinnen und Ausländer).  Analog des bundesweiten Trends ist auch in Rheinland-Pfalz in der langfristigen Entwicklung ein deutlicher Anstieg der Aufwendungen zu beobachten. Wendeten die rheinland-pfälzischen Jugendämter im Jahr 2005 noch rund 232 Millionen Euro für die Hilfen zur Erziehung auf, so haben sich die Aufwendungen bis zum Berichtsjahr 2022 um rund 312 Millionen Euro bzw. mit einer Steigerung von 134,3 % mehr als verdoppelt. Im Vergleich zum Vorjahr sind die Auszahlungen für erzieherische Hilfen landesweit um etwa 10 Millionen Euro bzw. um 1,9 % angestiegen.

 

Erneuter Ausbau der Personalressourcen in den Jugendämtern um rund 4 %

Im Jahr 2022 gibt es in Rheinland-Pfalz rund 880 Vollzeitstellenäquivalente in den Sozialen Diensten. Berücksichtigt werden hierbei alle im Stellenplan der Jugendämter festgeschriebenen Personal-stellen, die in den Arbeitsbereichen Allgemeiner Sozialer Dienst, Jugendhilfe im Strafverfahren, Pflegekinderdienst, Trennungs- und Scheidungsberatung, Heimkinderdienst und Eingliederungshilfe des öffentlichen Jugendhilfeträgers liegen oder von freien Trägern übernommen werden (ohne Stellen für die Betreuung von umA). Seit 2002 zeigt sich ein kontinuierlicher Ausbau der Personalressourcen in den Jugendämtern um rund 135 %. Diese Entwicklung setzt sich auch im Jahresvergleich 2021/2022 mit einem Ausbau der Personalstellen in den Sozialen Diensten um 37,3 Vollzeitstellen bzw. 4,4 % fort.

 

 

Die Berichte können auf unserer Publikationenseite "Hilfen zur Erziehung" heruntergeladen werden.